So funktioniert die Abstandsmessung auf der Autobahn
Abstandsblitzer sind die gefürchtetsten Blitzer auf deutschen Autobahnen. Erfahren Sie hier, mit welchen Hightech-Systemen die Polizei arbeitet und warum diese in der Realität hochgradig fehleranfällig sind.
Die häufigsten Messverfahren (VKS 3.0 & Co.)
Die Polizei nutzt auf Autobahnen zur Abstandsüberwachung fast ausschließlich Brückenabstandsmessverfahren. Das am weitesten verbreitete System ist das Video-Kontroll-System (VKS) 3.0 oder der Nachfolger VKS 4.5 der Firma VIDIT.
Wie läuft eine VKS 3.0 Messung ab?
- Bodenmarkierungen: Die Polizei markiert bestimmte Fahrbahnabschnitte (meist 50 Meter voneinander entfernt) mit weißen Querlinien. Diese dienen der Software als feste Entfernungs-Koordinaten.
- Übersichtskamera (Brücke): Auf einer Brücke wird eine Videokamera installiert, die das Verkehrsgeschehen über eine Strecke von ca. 300 - 400 Metern kontinuierlich aufzeichnet, um den durchgehenden Verstoß zu dokumentieren.
- Detailkamera (Brücke/Mittelstreifen): Unterschreitet ein Fahrzeug den Mindestabstand am Messpunkt, wird sein Kennzeichen und der Fahrer durch eine hochauflösende Kamera gestochen scharf abfotografiert, um die Fahreridentifikation zu sichern.
Welche Toleranz wird beim Messen abgezogen?
Bei der Auswertung des Videos am Computer zieht die Bußgeldstelle obligatorische Toleranzwerte ab. In der Regel werden zugunsten des Fahrers 5% des gemessenen Geschwindigkeitswertes (bzw. mindestens 5 km/h bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h) abgezogen, um jegliche technische Messungenauigkeiten auszugleichen.
Typische Fehler der Abstandsmessung (Einspruchsgründe)
Auch die Technik des VKS 3.0 ist rechtlich nicht unfehlbar. Es gibt klare rechtliche Hürden, die die Polizei nehmen muss, damit ein Bußgeldbescheid vor Gericht überhaupt Bestand hat. Experten prüfen genau diese Schwachstellen:
1. Die fehlende lückenlose Dokumentation
Die Polizei muss rechtlich nachweisen, dass der Abstandsverstoß nicht nur ein sekundenkurzes Versehen war, sondern konstant über eine Strecke von mindestens 300 Metern bestand. Gibt es Qualitäts-Aussetzer im Übersichtsvideo, ist der gesamte Bescheid null und nichtig.
2. Das klassische "Einscherer-Problem"
Zieht ein anderes Auto plötzlich knapp vor Ihnen auf Ihre Spur, verringert sich Ihr Abstand gewaltig. Die Polizei muss Ihnen über das Video nachweisen, dass Sie genug Reaktionszeit hatten, den Abstand wiederherzustellen. Ist das nachweislich fraglich, muss die Messung verworfen werden.
3. Veraltete Messlinien & Kamerawinkel
Die weißen Bodenmarkierungen nutzen sich durch Regen und Reifen ab. Wenn ein spezialisierter Anwalt das Eichprotokoll anfordert und nachweist, dass die Vermessungspunkte zur Kamera nicht mehr auf den Zentimeter perfekt stimmen, ist die Messung hinfällig.
Was tun beim Eintreffen des Anhörungsbogens?
Zahlen Sie nicht blind aus Panik, sondern nutzen Sie Ihre rechtlichen Mittel sinnvoll! Ein Abstandsverstoß ab 2/10 des halben Tachos kostet Sie sofort den Führerschein (Fahrverbot). Suchen Sie im Verzeichnis Ihrer konkreten Messstelle oder im umfassenden Bußgeldstellen-Portal nach Informationen und fordern Sie Akteneinsicht an.