Abstandsblitzer A46 bei Neuss (km 61.9) Richtung Hagen
Auf der vielbefahrenen Bundesautobahn 46 im Rhein-Kreis Neuss befindet sich bei Kilometer 61,900 eine der bekanntesten Messanlagen für Abstandsmessungen in Nordrhein-Westfalen. Dieser Abstandsblitzer auf der Fleher Brücke in Fahrtrichtung Hagen ist für viele Pendler eine tägliche Herausforderung und eine häufige Ursache für Bußgeldbescheide. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der damit verbundenen Unfallgefahr wird hier der vorgeschriebene Sicherheitsabstand streng überwacht.
Der Standort: Wo genau wird der Sicherheitsabstand gemessen?
Die Messanlage ist strategisch auf der Rheinbrücke Flehe positioniert, die Düsseldorf und Neuss verbindet. In Fahrtrichtung Hagen, kurz nach der Anschlussstelle Neuss-Uedesheim, beginnt die Überwachung. Dieser Abschnitt ist besonders kritisch, da hier oft dichter Verkehr herrscht und abrupte Bremsmanöver an der Tagesordnung sind. Der Blitzer auf der A46 nutzt hierbei die gesamte Länge der Brücke als Messstrecke, um Verstöße gegen den Sicherheitsabstand präzise zu dokumentieren.
Funktionsweise des Messsystems: Wie der VKS-Blitzer arbeitet
An diesem Standort kommt in der Regel das System VKS 3.0 (Video-Kontroll-System) zum Einsatz. Dieses System ist speziell für die Überwachung des Sicherheitsabstandes konzipiert und arbeitet nicht mit einem klassischen „Blitz“, sondern mit hochauflösenden Videokameras.
Videoaufzeichnung als zentrales Beweismittel
Zwei Kameras sind hierbei entscheidend:
- Übersichtskamera: Sie filmt den Verkehr über eine längere Distanz (oft mehrere hundert Meter) und erfasst das Verkehrsgeschehen im Ganzen. Auf der Fahrbahn sind weiße, quer zur Fahrtrichtung angebrachte Referenzlinien markiert, die als Basis für die Berechnung dienen.
- Detailkamera: Diese Kamera löst aus, wenn das System einen potenziellen Verstoß erkennt. Sie fertigt ein hochauflösendes Foto des Fahrers und des Kennzeichens an, um eine eindeutige Identifizierung zu ermöglichen.
Die Auswertung erfolgt nachträglich durch geschulte Beamte. Anhand der Videoaufzeichnung und der Referenzlinien auf der Fahrbahn wird die vom Fahrzeug in einer bestimmten Zeit zurückgelegte Strecke ermittelt und daraus die Geschwindigkeit berechnet. Gleichzeitig wird der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug gemessen. Aus diesen Werten wird der Sicherheitsabstand in Relation zur Geschwindigkeit (halber Tachowert) ermittelt und ein Verstoß festgestellt.
Juristische Fallstricke und bekannte Schwachstellen: Ihre Chance für einen Einspruch
Obwohl die Messung per Video-Kontroll-System als standardisiertes Messverfahren gilt, ist sie keineswegs fehlerfrei. Ein Bußgeldbescheid von diesem Abstandsblitzer sollte daher niemals ungeprüft akzeptiert werden. Es gibt mehrere juristisch fundierte Ansatzpunkte, die eine Messung angreifbar machen können.
Ein entscheidender Punkt, den versierte Anwälte für Verkehrsrecht immer wieder prüfen, ist die Vollständigkeit der Videoaufzeichnung. Fehlt die gesetzlich geforderte, lückenlose Aufzeichnung der gesamten Messstrecke von rund 300 Metern vor dem eigentlichen Fotopunkt, kann dies die gesamte Messung angreifbar machen, da der Verstoß dann nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. Gerade im dichten Berufsverkehr Richtung Hagen ist zudem das sogenannte „Einscherer-Problem“ eine bekannte Schwachstelle dieser Messung. Wenn ein anderes Fahrzeug knapp vor Ihnen einschert, wird Ihr Sicherheitsabstand unverschuldet und plötzlich verkürzt. Obwohl die Messbeamten solche Situationen erkennen sollten, kann dies im Eifer des Gefechts übersehen werden. Die Videoaufzeichnung muss beweisen, dass der Abstand nicht durch einen solchen plötzlichen Fahrspurwechsel eines Dritten verursacht wurde.
Ein weiterer, oft übersehener Fehlerpunkt kann in der Eichung und dem Zustand der weißen Referenzlinien auf der Fahrbahn liegen. Sind diese durch Witterung oder Baumaßnahmen veraltet, abgenutzt oder nicht mehr exakt eingemessen, kann dies zu falschen Messergebnissen führen. Ebenso kritisch ist die Fahreridentifikation. Gerade auf der Fleher Brücke kann es durch den Schattenwurf der Brückenkonstruktion zu bestimmten Tageszeiten zu einer Über- oder Unterbelichtung des Fahrerfotos kommen. Ist der Fahrer auf dem Beweisfoto nicht eindeutig identifizierbar, stellt dies einen starken Ansatzpunkt für einen Einspruch dar, da die Fahreridentifikation eine Grundvoraussetzung für jeden Bußgeldbescheid ist.
Bußgeldkatalog 2026: Diese Strafen drohen bei Abstandsverstößen
Die Höhe des Bußgeldes hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Hier eine Übersicht der zu erwartenden Sanktionen.
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h:
| Abstand zum Vordermann | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Bei Geschwindigkeit über 130 km/h (zusätzlich zu den Sanktionen oben):
| Abstand zum Vordermann | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € -> erhöht auf 240 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € -> erhöht auf 360 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € -> erhöht auf 480 € | 2 | 3 Monate |
Fazit und Empfehlung: Bußgeldbescheid genau prüfen lassen
Ein Abstandsverstoß auf der A46 bei Neuss kann teuer werden und schnell zu einem Fahrverbot führen. Angesichts der genannten potenziellen Fehlerquellen – von unvollständigen Videoaufzeichnungen über das Einscherer-Problem bis hin zu schlecht belichteten Fahrerfotos – ist eine genaue Prüfung des individuellen Falls unerlässlich. Es wird dringend empfohlen, einen Anwalt für Verkehrsrecht zu konsultieren. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und das gesamte Beweismaterial, insbesondere die Videoaufzeichnung und die Eichprotokolle, auf Plausibilität und Rechtmäßigkeit überprüfen. Ein Einspruch kann sich lohnen und Sie vor Punkten, hohen Bußgeldern und einem Fahrverbot bewahren.




