Abstandsblitzer auf der B28 bei Neu-Ulm, Richtung Senden: Eine genaue Analyse
Auf der Bundesstraße 28 bei Neu-Ulm, im Abschnitt 120 bei Kilometer 2,300, befindet sich eine stationäre Abstandsmessanlage, die täglich den Sicherheitsabstand tausender Fahrzeuge in Fahrtrichtung Senden überwacht. Dieser spezielle Blitzer ist eine wichtige, aber auch umstrittene Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf diesem stark frequentierten Pendlerabschnitt. Viele Fahrer werden hier von dem Vorwurf einer Abstandsunterschreitung überrascht. Doch nicht jeder Bußgeldbescheid ist unanfechtbar.
Die strategische Position des Blitzers auf der B28
Der Standort des Abstandsblitzers auf der B28 ist keineswegs zufällig gewählt. Die Strecke zwischen Neu-Ulm und Senden ist ein Nadelöhr im regionalen Verkehrsnetz und zeichnet sich durch ein hohes Verkehrsaufkommen, insbesondere im Berufsverkehr, aus. Die hohe Verkehrsdichte führt häufig zu gefährlichen Situationen, in denen ein unzureichender Sicherheitsabstand das Risiko für schwere Auffahrunfälle signifikant erhöht. Unfallmeldungen der letzten Jahre belegen, dass es auf diesem Streckenabschnitt wiederholt zu schweren Kollisionen kam, die oft auf zu dichtes Auffahren und nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen waren. Der Blitzer soll hier präventiv wirken und die Fahrzeugführer zu einer vorausschauenderen und sichereren Fahrweise anhalten.
Technische Details: So funktioniert die Abstandsmessung mit dem VKS 3.0
An diesem Standort kommt das Messsystem VKS 3.0 (Verkehrskontrollsystem) der Firma VIDIT Systems zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine Brückenabstandsmessung. Über der Fahrbahn, meist an einer Autobahnbrücke montiert, erfasst eine hochauflösende Videokamera den fließenden Verkehr über eine zuvor exakt eingemessene Strecke. Auf dem Asphalt sind dafür spezielle, oft unscheinbare weiße Referenzlinien (Passpunkte) markiert. Die Software des VKS 3.0 analysiert die Videoaufnahmen und berechnet anhand der Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um von einer Markierung zur nächsten zu gelangen, dessen Geschwindigkeit. Gleichzeitig wird der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug ermittelt. Fährt ein Fahrzeug zu dicht auf, wird eine zweite, oft tiefer positionierte Kamera ausgelöst, die den Fahrer und das Kennzeichen zur Beweissicherung fotografiert.
Bekannte Schwachstellen und Ansatzpunkte für einen Einspruch
Obwohl es sich um ein standardisiertes Messverfahren handelt, ist das System nicht fehlerfrei. Für Betroffene, die einen Bußgeldbescheid erhalten, gibt es fundierte Ansatzpunkte, die eine Überprüfung durch einen spezialisierten Anwalt für Verkehrsrecht sinnvoll machen können.
Experten-Insight: Die Wichtigkeit der lückenlosen Videoaufzeichnung
Ein juristisch entscheidender Punkt ist die Beweisführung. Gerichte fordern zunehmend, dass der Abstandsverstoß nicht nur ein kurzzeitiges Versäumnis war. Eine lückenlose Videoaufzeichnung, die idealerweise eine Strecke von mindestens 300 Metern vor der eigentlichen Messlinie umfasst, ist oft notwendig, um eine vorwerfbare, andauernde Pflichtverletzung zu belegen. Fehlt diese umfassende Dokumentation oder ist sie zu kurz, kann argumentiert werden, dass der geringe Sicherheitsabstand nur eine kurzfristige, verkehrsbedingte Momentaufnahme darstellte und nicht auf einer rücksichtslosen Fahrweise beruhte. Dies ist ein häufiger und vielversprechender Ansatzpunkt bei der Verteidigung.
Das „Einscherer-Problem“ im dichten Verkehr der B28
Gerade im dichten Pendlerverkehr auf der B28 Richtung Senden ist das sogenannte „Einscherer-Problem“ relevant. Ein anderes Fahrzeug wechselt knapp vor dem eigenen auf die Spur und verkürzt so unverschuldet den Sicherheitsabstand. Obwohl die auswertenden Beamten dies berücksichtigen sollten, kann es in der Praxis übersehen werden. Eine genaue Analyse des Messvideos durch einen Sachverständigen kann aufdecken, ob ein solcher Spurwechsel unmittelbar vor der Messung stattfand. Ist dies der Fall, entfällt der Vorwurf, da der Fahrer keine realistische Möglichkeit hatte, den korrekten Abstand rechtzeitig wiederherzustellen.
Potenzielle Fehler bei der Fahreridentifikation durch Brücken
Auch wenn es an dieser speziellen Stelle keine markante Brücke geben mag, die einen konstanten Schatten wirft, können Witterungsbedingungen wie tiefstehende Sonne oder der Schatten von LKW die Qualität des Fahrerfotos beeinträchtigen. Ist das Gesicht des Fahrers auf dem Beweisfoto nicht eindeutig zu identifizieren, beispielsweise durch Schatten, Spiegelungen oder weil es teilweise verdeckt ist, ist die Fahreridentifikation fehlerhaft. Dies ist ein klassischer und oft erfolgreicher Einwand, da die Behörde zweifelsfrei nachweisen muss, wer das Fahrzeug zum Tatzeitpunkt geführt hat.
Bußgelder für Abstandsverstöße (Bußgeldkatalog 2026)
Die Strafen für einen zu geringen Sicherheitsabstand sind empfindlich und abhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit. Der Grundsatz lautet: Der Abstand in Metern sollte mindestens dem halben Tachowert in km/h entsprechen.
Bei Geschwindigkeit unter 100 km/h
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | Nein |
| Weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | Nein |
| Weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 1 | Nein |
| Weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 1 | Nein |
| Weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 1 | Nein |
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | Nein |
| Weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | Nein |
| Weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| Weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| Weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Fazit und Empfehlung zur Einspruchsprüfung
Der Abstandsblitzer auf der B28 bei Neu-Ulm in Richtung Senden ist eine technische Anlage, die wie jedes System fehleranfällig sein kann. Die Komplexität der Messung und die dichte Verkehrslage bieten diverse Ansatzpunkte für eine kritische Überprüfung. Sollten Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid von diesem Blitzer erhalten, ist es ratsam, nicht vorschnell zu zahlen. Eine kostenlose Ersteinschätzung durch eine spezialisierte Anwaltskanzlei kann klären, ob sich ein Einspruch in Ihrem individuellen Fall lohnt. Oftmals können durch eine genaue Prüfung der Messakte, insbesondere des vollständigen Messvideos und des Messprotokolls, Fehler aufgedeckt werden, die zu einer Einstellung des Verfahrens oder zumindest zu einer Reduzierung der Strafe führen können.
