Abstandsblitzer auf der A7 bei Neu-Ulm in Fahrtrichtung Füssen
Auf der Bundesautobahn 7 (A7) bei Neu-Ulm, im Streckenabschnitt 740 bei Kilometer 4.500, ist eine feste Messanlage zur Überwachung des Sicherheitsabstands installiert. Dieser Abstandsblitzer in Fahrtrichtung Füssen/Kempten ist eine der meistfrequentierten Messstellen in Schwaben und sorgt regelmäßig für Bußgeldbescheide. Aufgrund der hohen Verkehrsdichte, insbesondere im Pendler- und Reiseverkehr, kommt es auf diesem Teilstück der A7 häufig zu gefährlichen Situationen durch zu dichtes Auffahren. Die Behörden begründen den Einsatz dieses Blitzers mit der hohen Unfallgefahr in diesem Bereich.
Der genaue Standort und die Besonderheiten des Blitzers
Die Messanlage befindet sich kurz nach der Anschlussstelle Nersingen und vor dem Autobahndreieck Hittistetten. Die A7 verläuft in diesem Bereich weitgehend gerade, was eine präzise Videoerfassung über eine längere Distanz ermöglicht. Die Kameras sind in der Regel an einer Schilderbrücke montiert und für den unachtsamen Fahrer kaum zu erkennen. Im Gegensatz zu klassischen Geschwindigkeitsblitzern wird hier kein roter Blitz ausgelöst. Die Erfassung erfolgt permanent per Videoaufzeichnung, was viele Fahrer erst bemerken, wenn der Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid im Briefkasten liegt.
Lokaler Kontext: Hohes Verkehrsaufkommen und Unfallschwerpunkt
Die A7 bei Neu-Ulm ist ein Nadelöhr im Fernverkehr zwischen Nord- und Süddeutschland. Insbesondere im Berufsverkehr und an den Wochenenden ist das Verkehrsaufkommen extrem hoch. Immer wieder kommt es in diesem Bereich zu schweren Auffahrunfällen, die auf mangelnden Sicherheitsabstand zurückzuführen sind. Lokale Medien berichten regelmäßig über Unfälle, die durch plötzliche Bremsmanöver in Stausituationen ausgelöst werden. Genau diese Gefahrenlage soll der Abstandsblitzer A7 Neu-Ulm entschärfen.
Eingesetzte Messtechnik: Das Videosystem VKS 3.0 / VKS 4.5
An diesem Standort kommt ein videobasiertes Kontrollsystem zum Einsatz, typischerweise das VKS 3.0 oder das Nachfolgemodell VKS 4.5 der Firma VIDIT Systems. So funktioniert die Messung:
- Videoerfassung: Eine Übersichtskamera filmt den Verkehr auf einer Strecke von mehreren hundert Metern von einer Brücke oder einem Schilderportal herab.
- Referenzlinien: Auf der Fahrbahn sind weiße, kaum sichtbare Messlinien (Referenzlinien) aufgebracht, die als Grundlage für die Weg-Zeit-Berechnung dienen.
- Auswertung: Eine spezielle Software analysiert die Videoaufnahmen. Sie berechnet die Geschwindigkeit jedes Fahrzeugs und den Abstand zum Vordermann. Unterschreitet ein Fahrzeug den gesetzlichen Mindestabstand über eine relevante Strecke, wird der Verstoß dokumentiert.
- Fahreridentifikation: Eine zweite, hochauflösende Kamera (oft in der Mittelleitplanke versteckt) wird ausgelöst, um den Fahrer und das Kennzeichen für den Bußgeldbescheid zu erfassen.
Bekannte Schwachstellen und Ansatzpunkte für einen Einspruch
Obwohl es sich um ein standardisiertes Messverfahren handelt, ist die Technik nicht fehlerfrei. Ein erfahrener Anwalt für Verkehrsrecht wird bei der Prüfung eines Bußgeldbescheids von diesem Blitzer auf der A7 bei Neu-Ulm gezielt nach Schwachpunkten suchen. Ein vielversprechender Ansatzpunkt kann die Auswertung des Tatvideos selbst sein. Für eine Verurteilung ist nicht ein kurzzeitiges Unterschreiten des Abstands ausschlaggebend, sondern ein nachhaltiger Verstoß. Hier kommt oft das sogenannte „Einscherer-Problem“ ins Spiel: Im dichten Pendlerverkehr auf der A7 kann es vorkommen, dass ein anderes Fahrzeug knapp vor einem einscheert und so den Sicherheitsabstand unverschuldet und plötzlich verkürzt. Ein guter Gutachter kann anhand der Videoaufzeichnung oft nachweisen, dass dem Fahrer keine vorwerfbare, andauernde Abstandsunterschreitung zur Last gelegt werden kann.
Ein weiterer, oft übersehener Punkt ist die korrekte Dokumentation und Einrichtung der Messstelle. Das Messprotokoll muss die exakte Höhe und den Winkel der Kamera belegen. Schon geringste Abweichungen können die Messung verfälschen. Ein Experte prüft daher, ob die Videoaufzeichnung die zwingend vorgeschriebene, lückenlose Beobachtung über die gesamte Messstrecke von oft 300 Metern überhaupt hergibt. Fehlende Sequenzen oder eine unsaubere Kameraführung können hier ein entscheidendes Detail für einen erfolgreichen Einspruch sein.
Zudem ist die Qualität der Referenzlinien auf der Fahrbahn essenziell. Sind diese Markierungen durch Witterung, Abnutzung oder Baustellen veraltet oder ungenau eingemessen, ist die gesamte Berechnungsgrundlage der Abstandsmessung fehlerhaft. Dies lässt sich durch ein Sachverständigengutachten im Rahmen eines Einspruchsverfahrens überprüfen und kann zur Einstellung des Verfahrens führen.
Bußgelder für Abstandsverstöße (Stand 2026)
Die Höhe des Bußgeldes, die Anzahl der Punkte in Flensburg und ein mögliches Fahrverbot hängen von der gefahrenen Geschwindigkeit und dem prozentualen Abstandswert (halber Tachowert) ab.
Bei Geschwindigkeit unter 100 km/h
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Sicherheitsabstand nicht eingehalten | 25 € | 0 | Nein |
| ... mit Gefährdung | 30 € | 0 | Nein |
| ... mit Sachbeschädigung | 35 € | 0 | Nein |
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h
| Abstand geringer als... | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | Nein |
| 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | Nein |
| 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Lohnt sich ein Einspruch gegen den Bußgeldbescheid?
Ein Einspruch kann sich lohnen, insbesondere wenn ein Fahrverbot droht. Die Messung des Sicherheitsabstands mit Videosystemen wie an diesem Blitzer auf der A7 ist komplex und fehleranfällig. Die Überprüfung durch einen spezialisierten Anwalt ist ratsam. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und das Messprotokoll sowie das komplette Tatvideo auf formelle und technische Fehler prüfen. Oftmals lassen sich Fahrverbote in höhere Bußgelder umwandeln oder das Verfahren wird bei gravierenden Fehlern sogar komplett eingestellt.
