Abstandsblitzer A7 bei Frickenhausen (Oy-Mittelberg) in Fahrtrichtung Füssen
Auf der Bundesautobahn A7 im Allgäu, im Bereich der Anschlussstelle Oy-Mittelberg und dessen Ortsteil Frickenhausen, müssen Autofahrer in Fahrtrichtung Süden (Füssen/Reutte) besonders auf den korrekten Sicherheitsabstand achten. Hier führt die bayerische Polizei regelmäßig Abstandsmessungen mit dem Video-Kontroll-System VKS 4.5 durch. Dieser Streckenabschnitt, der intern oft als Messstelle im Bereich des Abschnitts 300, Kilometer 8.318 geführt wird, ist als Unfallschwerpunkt bekannt und steht daher unter besonderer Beobachtung.
Lokaler Kontext: Warum wird der Sicherheitsabstand gerade hier überwacht?
Der Abschnitt der A7 bei Frickenhausen und Oy-Mittelberg ist topografisch anspruchsvoll. Mit leichten Steigungen, Gefällen und langgezogenen Kurven, kombiniert mit der Nähe zu den Allgäuer Alpen, ist die Region anfällig für plötzliche Wetterumschwünge. Zeitungsarchive und Polizeiberichte der Verkehrspolizeiinspektion Kempten belegen eine Häufung von schweren Auffahrunfällen, die direkt auf zu geringen Sicherheitsabstand zurückzuführen sind – insbesondere bei Nässe, Nebel oder dem im Allgäu häufigen Graupelschauer. Der starke Urlauber- und Pendlerverkehr in Richtung der österreichischen Grenze bei Füssen verschärft die Situation, da es oft zu stockendem Verkehr und unvorhersehbaren Bremsmanövern kommt. Genau an diesem neuralgischen Punkt ist der Abstandsblitzer positioniert, um Drängler zu erfassen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Die Messtechnik: So funktioniert der VKS 4.5 Abstandsblitzer
Der an dieser Stelle eingesetzte Blitzer vom Typ VKS 4.5 ist ein modernes, videobasiertes Messsystem, das in der Regel von einer Autobahnbrücke aus den fließenden Verkehr aufzeichnet. Anders als bei einem klassischen Geschwindigkeitsblitzer gibt es keinen sichtbaren Blitz. Das System funktioniert wie folgt:
- Videoaufzeichnung: Zwei Kameras filmen einen festgelegten Fahrbahnabschnitt. Eine Kamera erfasst den gesamten Verkehr zur Dokumentation des Verkehrsverstoßes, während eine zweite, hochauflösende Kamera zur Fahreridentifikation dient.
- Referenzlinien: Auf der Fahrbahn sind im Vorfeld kaum sichtbare, weiße Referenzlinien (Passpunkte) in exakten Abständen aufgetragen. Diese dienen der Software als Grundlage für die Berechnung.
- Weg-Zeit-Messung: Durch die Analyse der Videoaufzeichnung ermittelt ein geschulter Messbeamter nachträglich am Computer, in welcher Zeit ein Fahrzeug die Strecke zwischen den Referenzlinien zurücklegt. Daraus werden die exakte Geschwindigkeit und der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug berechnet.
Ein entscheidender Punkt für die Gültigkeit der Messung ist die exakte Kalibrierung und Vermessung dieser Referenzlinien. Veraltete, abgefahrene oder durch Baumaßnahmen fehlerhaft übertragene Markierungen können ein valider Ansatzpunkt für eine rechtliche Anfechtung des Bußgeldbescheides sein.
Juristische Einblicke: Bekannte Schwachstellen und Einspruchs-Tipps zum Abstandsblitzer A7
Obwohl das VKS 4.5 als standardisiertes Messverfahren gilt, ist es nicht fehlerfrei. Ein Einspruch kann sich lohnen, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Als Experte im Verkehrsrecht rate ich, insbesondere auf folgende Aspekte zu achten:
1. Das „Einscherer-Problem“ im dichten Reiseverkehr
Gerade auf diesem stark frequentierten Abschnitt der A7 in Richtung Füssen kommt es häufig vor, dass ein anderes Fahrzeug knapp vor Ihnen einschert. Dadurch wird Ihr eigener Sicherheitsabstand abrupt und unverschuldet verkürzt. Ein Abstandsverstoß muss jedoch über eine gewisse Dauer und Wegstrecke vorliegen. Die Messung erfordert eine lückenlose Videoaufzeichnung von mindestens 300 Metern vor der eigentlichen Messlinie, um genau solche Verkehrssituationen beurteilen zu können. Ein erfahrener Anwalt wird daher stets die vollständige, ungeschnittene Videosequenz anfordern. Fehlt diese Vor-Aufzeichnung oder ist sie unvollständig, kann oft nicht nachgewiesen werden, dass der Verstoß vorwerfbar und nicht durch einen „Einscherer“ verursacht wurde, was die Chancen eines erfolgreichen Einspruchs erheblich steigert.
2. Fehlerhafte Fahreridentifikation durch Brückenschatten
Die Messung erfolgt meist von einer Brücke herab. Je nach Sonnenstand und Tageszeit wirft diese Brücke einen harten Schatten auf die Fahrbahn. Fährt das Fahrzeug durch diesen Schatten, kann das Gesicht des Fahrers auf dem Identifikationsfoto massiv unterbelichtet und somit nicht mehr eindeutig erkennbar sein. Die Behörde muss Ihnen jedoch die Fahrereigenschaft zweifelsfrei nachweisen. Ist das Foto von so schlechter Qualität, dass eine Identifizierung objektiv unmöglich ist, muss das Verfahren eingestellt werden. Dies ist eine bekannte Schwachstelle bei diesem Blitzer-Typ an der A7.
3. Unzureichende Dokumentation und veraltete Referenzlinien
Jede Messung muss akribisch dokumentiert werden. Dazu gehören ein Messprotokoll, die Eichurkunde des Geräts und der Nachweis über die korrekte Einrichtung der Messstelle. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die auf der Fahrbahn aufgebrachten Referenzlinien gelegt werden. Sind diese durch Witterung oder hohen Verkehr abgenutzt und kaum noch erkennbar? Gab es kürzlich Baumaßnahmen in diesem Bereich? Eine fehlerhafte oder schlecht dokumentierte Einmessung der Passpunkte macht die gesamte Berechnung von Geschwindigkeit und Abstand ungültig und ist ein starker Hebel für einen Einspruch gegen den Abstandsblitzer.
Bußgelder für Abstandsverstöße (Auszug Bußgeldkatalog 2026)
Die Höhe des Bußgeldes für einen zu geringen Sicherheitsabstand hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Der erforderliche Mindestabstand in Metern entspricht dem „halben Tachowert“.
Bei Geschwindigkeit unter 100 km/h:
| Tatbestand | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| Abstand nicht eingehalten | 25 € | 0 |
| ... mit Gefährdung | 30 € | 0 |
| ... mit Sachbeschädigung | 35 € | 0 |
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h:
| Abstand zum Vordermann | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| weniger als 5/10 des halben Tachowerts | 75 € | 1 | - |
| weniger als 4/10 des halben Tachowerts | 100 € | 1 | - |
| weniger als 3/10 des halben Tachowerts | 160 € | 2 | 1 Monat |
| weniger als 2/10 des halben Tachowerts | 240 € | 2 | 2 Monate |
| weniger als 1/10 des halben Tachowerts | 320 € | 2 | 3 Monate |
Empfehlung bei Erhalt eines Anhörungsbogens
Sollten Sie einen Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid von diesem Abstandsblitzer auf der A7 bei Frickenhausen erhalten, ist es ratsam, nicht vorschnell zu handeln. Prüfen Sie die oben genannten Punkte und ziehen Sie die Konsultation eines Fachanwalts für Verkehrsrecht in Betracht. Nur durch Akteneinsicht und die Analyse des Messvideos lässt sich beurteilen, ob die Messung anfechtbar ist.
