Mobiler Abstandsblitzer auf der A93 im Raum Regensburg/Pentling
Auf der hochfrequentierten Autobahn A93, insbesondere im verkehrsreichen und staugefährdeten Abschnitt um das Autobahnkreuz Regensburg und die Anschlussstelle Pentling, kommt es regelmäßig zu mobilen Abstandskontrollen. Anders als bei fest installierten Anlagen, setzt die bayerische Polizei hier auf flexible Abstandsblitzer, die meist von Brücken aus oder unauffällig am Fahrbahnrand positioniert werden, um den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zu überwachen. Diese Maßnahme ist eine direkte Reaktion auf die hohe Verkehrsdichte und das damit verbundene Unfallrisiko in diesem Bereich.
Lokaler Kontext: Dauerbaustelle und hohes Verkehrsaufkommen als Unfallschwerpunkt
Der Streckenabschnitt der A93 südlich von Regensburg ist seit Jahren von einer grundhaften Fahrbahnerneuerung geprägt. Die damit einhergehenden verengten Fahrspuren, häufigen Staus und die hohe Belastung durch den Pendler- und Fernverkehr schaffen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Besonders Auffahrunfälle, die oft aus zu geringem Sicherheitsabstand resultieren, sind hier ein bekanntes Problem. Der Einsatz des mobilen Abstandsblitzers dient daher primär der Verkehrssicherheit, um in diesem kritischen und oft unübersichtlichen Bereich für die Einhaltung des Mindestabstands zu sorgen und so schwere Unfälle zu verhindern. Die Messungen finden in beiden Fahrtrichtungen statt und sind für ortsunkundige Fahrer kaum vorhersehbar.
Die Technik hinter dem Abstandsblitzer: So funktioniert das VKS 4.5 System
An diesem Standort wird häufig das Video-Kontroll-System VKS 4.5 eingesetzt. Dieses System ist kein klassischer "Blitzer", der ein einzelnes Foto schießt. Stattdessen basiert es auf einer hochauflösenden Videokamera, die auf einer Brücke über der A93 montiert wird und einen längeren Abschnitt der Fahrbahn aufzeichnet. Die Beamten markieren auf der Fahrbahn Referenzlinien in einem definierten Abstand. Die VKS-Anlage filmt den Verkehr, wie er diese Linien überfährt. Ein geschulter Beamter wertet die Videoaufzeichnung später manuell aus.
Die Software des Systems berechnet anhand der Zeit, die ein Fahrzeug für die definierte Wegstrecke zwischen den Markierungen benötigt, dessen Geschwindigkeit. Gleichzeitig wird der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug über eine exakte Bild-für-Bild-Analyse ermittelt. Nur wenn ein Verstoß über eine längere Distanz – in der Regel mehrere hundert Meter – dokumentiert wird, gilt die Messung als verwertbar. Zur Fahreridentifikation wird eine zweite, hochauflösende Fotokamera ausgelöst, die ein klares Bild des Fahrers und des Kennzeichens anfertigt.
Experten-Einblicke: Mögliche Fehlerquellen und Ansatzpunkte für einen Einspruch
Obwohl die Abstandsmessung per Video als sehr genau gilt, ist sie nicht fehlerfrei. Ein erfolgreicher Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid wegen eines Abstandsverstoßes auf der A93 kann auf verschiedenen Argumenten beruhen. Als Verkehrsrechtsexperte sehe ich hier vor allem drei subtile, aber juristisch relevante Ansatzpunkte:
- Das "Einscherer"-Problem im Pendlerverkehr: Gerade im dichten Verkehr rund um Regensburg kommt es häufig vor, dass ein anderes Fahrzeug plötzlich und knapp vor einem einschert. Dadurch wird der eigene Sicherheitsabstand unverschuldet und abrupt verkürzt. Die Rechtsprechung fordert für einen ahndbaren Verstoß, dass die Abstandsunterschreitung "nicht nur ganz vorübergehend" war. Ein Anwalt kann die Auswertung der kompletten, vorgeschriebenen Videosequenz anfordern. Zeigt diese lückenlose Aufzeichnung, dass der Abstand durch einen Einscherer plötzlich verkürzt wurde und der Fahrer noch nicht ausreichend Zeit zur Korrektur hatte, stehen die Chancen für eine Einstellung des Verfahrens gut.
- Fehlerhafte Fahreridentifikation durch Brückenschatten: Die Kameras für die Abstandsmessung werden oft auf Brücken positioniert. Je nach Sonnenstand kann der Schatten der Brücke genau in dem Moment auf das Fahrzeug fallen, in dem das Foto zur Fahreridentifizierung ausgelöst wird. Ist das Gesicht des Fahrers dadurch nicht zweifelsfrei erkennbar, ist die Fahreridentifikation mangelhaft und der Bußgeldbescheid anfechtbar. Dies ist eine bekannte Schwachstelle solcher Messanordnungen.
- Lückenhafte Videodokumentation: Für eine rechtssichere Verurteilung muss die Messung eine ausreichend lange Wegstrecke des Fahrzeugs dokumentieren, um ein nur kurzzeitiges, unvorhergesehenes Unterschreiten des Abstands auszuschließen. Fehlt eine lückenlose Videoaufzeichnung von mindestens 300 Metern vor dem eigentlichen Messpunkt, kann die Verteidigung argumentieren, dass die Dauerhaftigkeit des Verstoßes nicht nachgewiesen ist. Ein erfahrener Anwalt wird genau prüfen, ob die gesamte Sequenz in der Akte vorliegt.
Bußgeldtabelle für Abstandsverstöße (Stand: 2026)
Die Höhe des Bußgeldes, Punkte und ein mögliches Fahrverbot hängen von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Die Regel "halber Tacho" dient als Richtwert für den Mindestabstand in Metern.
Bei Geschwindigkeit unter 100 km/h:
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | Nein |
| Weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | Nein |
| Weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 1 | Nein |
| Weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 1 | Nein |
| Weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 1 | Nein |
Bei Geschwindigkeit über 100 km/h:
| Abstand | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5/10 des halben Tachowertes | 75 € | 1 | Nein |
| Weniger als 4/10 des halben Tachowertes | 100 € | 1 | Nein |
| Weniger als 3/10 des halben Tachowertes | 160 € | 2 | 1 Monat |
| Weniger als 2/10 des halben Tachowertes | 240 € | 2 | 2 Monate |
| Weniger als 1/10 des halben Tachowertes | 320 € | 2 | 3 Monate |
Einspruch prüfen lassen: Ein wichtiger Schritt
Ein Bußgeldbescheid wegen eines Abstandsverstoßes auf der A93 sollte nicht vorschnell akzeptiert werden. Die Komplexität der Videomesstechnik und die dynamische Verkehrslage bieten oft valide Ansatzpunkte für eine Verteidigung. Es ist ratsam, den Bescheid von einem auf Verkehrsrecht spezialisierten Anwalt prüfen zu lassen. Dieser kann Akteneinsicht beantragen und die gesamte Messdokumentation, inklusive des vollständigen Videos, auf Plausibilität und formale Korrektheit überprüfen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass alle entlastenden Umstände, wie ein plötzlicher Spurwechsel eines anderen Fahrers, berücksichtigt werden.
